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Diese Veranstaltung findet am 2. März 2006 in Großhansdorf
im Sitzungssaal des Rathauses statt. Beginn um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei,
Inhalt der Pressemitteilung des Vortrages:
Die Kleinen machen die Musik!
(Gl) Im ersten Vortrag der Reihe „Klimawandel – seine Ursachen – unsere Verantwortung“, veranstaltet von der Lokalen Agenda 21 Großhansdorf im Studio 203, zeigte Prof. Dr. Hartmut Graßl, Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für Meteorologie in Hamburg, worauf es in der Diskussion um Gefahren durch die Folgen der Klimaveränderungen ankommt. So führte der Wissenschaftler in seinem Vortrag am Donnerstag, dem 22.Januar mit dem Thema ‚Klimaänderungen und Nachhaltigkeit’ aus: „Man muss nur einige wenige Tatsachen begreifen, dann werden die Warnungen der Wissenschaftler so deutlich verständlich, dass sie keiner mehr in den Wind schlagen kann.“ Eine dieser Tatsachen ist, dass unsere Atmosphäre nur zu 0,03% aus Kohlendioxid (CO2) besteht, und dass deshalb schon eine außerordentlich geringe Veränderung dieses Anteils eine fatal starke Wirkung hat. „Man kann diesen Effekt beobachten,“ so Graßl, „wenn sich mehrere Menschen in einem unbelüfteten Raum aufhalten. Nicht der Mangel an Sauerstoff macht dann die Anwesenden müde, sondern die winzige zusätzliche Menge Kohlendioxid aus der Atemluft.“ Einige Mikrogramm Kohlendioxid in einem Liter Atmosphärenluft verdoppeln bereits den Anteil dieses Gases. Ähnlich ist die Wirkung anderer Atmosphärenanteile wie Ozon, Lachgas und Methan zu beurteilen. Da es neben dem Wasserdampf, der die Wolken bildet, diese Spurengase sind, die das Klima unserer Erde bestimmen, sind die Reaktionen auf kleinste Veränderungen so gravierend, gerade weil sie nur etwa 3 Promille der Erdatmosphäre ausmachen. „Die Kleinen machen eben die Musik“, resümiert Graßl, Professor an der Universität Hamburg und Vorsitzender mehrerer internationaler Kommissionen und des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Eine geringfügige Zunahme des mittleren Kohlendioxidanteils in der Atmosphäre bewirkt statistisch eine erhebliche Zunahme an Niederschlagskatastrophen wie vor dem verheerenden Elbehochwasser 2001. Diese Abhängigkeit ist physikalisch bewiesen und kann immer wieder beobachtet werden. Auf derartige Zusammenhänge können die Wissenschaftler nur durch die Analyse langer Messreihen aufmerksam werden. Professor Graßl hatte Diagramme solcher Zeitreihen im Gepäck, die, teilweise handgezeichnet und offensichtlich noch nicht veröffentlicht, auf Messungen der letzten einhundert Jahre bis in die aktuelle Gegenwart beruhen. „Es gehört schon erhebliche Erfahrung dazu, aus diesem zufällig verteilten Gezappel der Daten vernünftige Schlüsse zu ziehen“, so Graßl, „aber nach richtiger Aufbereitung werden die Zusammenhänge eindringlich anschaulich.“ Umgekehrt könne man nicht aus einem Jahrhundertsommer wie im letzten Jahr auf einen Trend schließen und wohlmöglich als Politiker vorschnelle Entscheidungen treffen. Dazu habe man zu wenig Fälle. „Schnellschüsse sind nicht zulässig!“, warnte Graßl. Eine weitere Tatsache, die man unbedingt verstanden haben muss, entkräftet das Argument der Gegner des staatlich organisierten Klimaschutzes, die Erde habe im Laufe ihrer Geschichte schon viele Warm- und Eiszeiten erlebt und das Leben existiere doch noch immer. Prof. Graßl: „Bei dieser Aussage werden zwei völlig verschiedene Zeitdimensionen miteinander vermischt, die nichts miteinander zu tun haben.“ Die heute beobachtete Erwärmung der Erdatmosphäre setzte erst vor etwa fünfzig Jahren ein. Zu der gleichen Erwärmung als natürlichem Vorgang hat sich die Erde früher Zehntausende von Jahren Zeit gelassen. Die derzeitige Erwärmung wird deshalb von fast allen Experten als eindeutig anthropogen, vom Menschen verursacht, angesehen. Besorgnis erregend sei nicht die Erwärmung an sich, führte Prof. Graßl aus, sondern die hohe Geschwindigkeit, mit der dieser Vorgang ablaufe. Dieser Effekt werde durch die auch von uns Deutschen gewollte Entwicklung noch wenig entwickelter Staaten gefördert. Man schätzt, dass eine gerechte Entwicklung auch der ärmsten Staaten nur möglich ist, wenn pro Kopf der Bevölkerung 500 Watt Energie zur Verfügung stehen. Das ist ein Vielfaches dessen, womit derzeit gerechnet werden kann. Prof. Graßl nahm während der anschließenden Diskussion auch Stellung zu dem Gedanken, den ungeheuren Energiebedarf der Zukunft durch friedliche Nutzung der Nuklearenergie zu decken. Abgesehen von dem politischen Aspekt der außerordentlich hohen Anfälligkeit für Terroranschläge sei ein klima-relevantes Argument zu bedenken. Jedes Nuklearkraftwerk produziere, auch wenn es auf der als sauber gepriesenen Kernfusion beruhe, ständig geringe Mengen Radioaktivität, die in geringen Mengen nach außen in die Atmosphäre entlassen werde und sich rund um den Globus verteile. Über der Landmasse sei deren Einfluss gegenüber der natürlichen Radioaktivität möglicherweise vernachlässigbar. Über den Ozeanen, die 70 Prozent der Erdoberfläche bedecken gebe es aber nur außerordentlich geringe natürliche Radioaktivität. Hier gelte das gleiche Prinzip wie vorher beim Kohlendioxid beschrieben: vergleichsweise sehr kleine, vom Menschen verursachte Änderungen hätten übermäßig starke Wirkungen. Ob eine geringe anthropogene Erhöhung der Radioaktivität über den Ozeanen durch die verstärkte Ionenbildung das Gewittergeschehen und damit das globale Klima negativ beeinflussen könnte, sei zwar anzunehmen, bis jetzt aber noch gar nicht untersucht worden. Der Meteorologe Professor Graßl beschließt – wie er sagte – seine Vorträge über Klimaänderungen seit nun acht Jahren mit einem Set von Statements, die er bisher – leider - nicht ändern musste:
Dass diese Aussagen und
Forderungen für nachhaltiges Handeln so lange ihre alte Gültigkeit behalten haben,
unterstützt die Aussage, die der Sprecher der Lokalen Agenda 21 Großhansdorf,
Harald Goldbeck-Löwe, in seiner Einführung zum Vortrag machte: „Die vor
über 11 Jahren in Rio von der Staatengemeinschaft beschlossene Agenda 21 für
nachhaltiges Handeln will Wirtschaftliches, Soziales und Umwelt in Einklang bringen.
Die Existenz dreier völlig verschiedener, voneinander unabhängiger Konferenzen
zu Agendathemen, die Welt-Klimakonferenz in Mailand, das Welt-Sozialforum in Bombay und
das Welt-Wirtschaftsforum in Davos, zeigt, wie weit entfernt wir noch sind von diesen
überlebensnotwendigen Utopien.“
Reichlicher Beifall dankte dem Vortragenden für seine lebendigen und anschaulichen Ausführungen auf hohem Niveau. Das vorgesehene Honorar, von den Zuhörern durch Spenden aufgestockt, stellte er dem SOS-Kinderdorf Harksheide zur Verfügung.
Inhalt der Pressemitteilung nach dem Vortrag: Null Investitionen – großer Gewinn Energiesparen im Haus Der zweite Vortrag der Reihe „Klimawandel – seine Ursachen – unsere Verantwortung“, veranstaltet von der Lokalen Agenda 21 Großhansdorf im Studio 203, zeigte, welche Sparpotentiale ungenutzt in den eigenen vier Wänden schlummern. Die Diplom-Ingenieurin Nicola Richter beleuchtete das Thema „Energiesparen im Haus“ von vielen, zum Teil ungewohnten, Seiten. |